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GraL 2025: Jahresrückblick

Wir vom GraL-Team wünschen Euch für 2026 ein Jahr voller Zuversicht und bereichernder Begegnungen!

„Same procedure as every year” ?

An dieser Stelle setzen wir unsere Tradition des Jahresrückblickes im Forschungsprojekt fort und halten Inne, um das Jahr 2025 punktuell Revue passieren zu lassen.

Mit großer Freude haben wir in 2025 Frau Dr.in Katharina Schitow als neue Projektkoordination des GraL-Teams begrüßen dürfen. Zusätzlich bereicherte Irina Grünheid für etwas mehr als ein halbes Jahr unser Team als wissenschaftliche Mitarbeiterin. Direkt ins Team eingefunden ging es für uns auch schon an die Arbeiten des dritten Projektjahres, das geprägt war durch viele bereichernde Begegnungen mit wertgeschätzten Kolleg:innen und inhaltlichen Ausarbeitungen der Analysen in GraL.

Am 12. März 2025 durften wir zusammen mit einigen unserer Critical Friends aus dem Advisory Board, Dr. Lilia D. Monzó (USA) und Prof. Dr. Alisha Heinemann (DE) Zwischenergebnisse aus der Teilstudie zu den Interviewanalysen diskutieren. Dort haben wir uns unter dem Titel „Racism as the (extra)ordinary“ mit Rassismus als (außer-)ordentliches Phänomen in der Lehrer:innen beschäftigt. Im Hinblick auf unsere Analysen stellen wir mit Blick auf die drei Phasen der Lehrer*innenbildung unterschiedliche Umgangsweisen mit Rassismus fest, welche Rassismus als Außerordentliches bzw. Außergewöhnliches und Gewöhnliches Phänomen zum Ausdruck bringen. Beispielweise findet im Modus der Veraußerordentlichung eine Verschiebung der Beschäftigung mit rassismusrelevanten Themen und Ereignissen als ‚Phänomen der Anderen‘ statt, das mit einem ‚selbst‘ nichts zu tun habe. Im Modus der Gewöhnlichkeit wird dagegen die Normalität von Rassismus bedeutsam, welche über ein Absprechen (Bagatellisieren) von Rassismuserfahrungen von (angehenden) Lehrer:innen oder Schüler:innen zum Ausdruck kommt. Diese exemplarisch illustrierten Einblicke in unsere Analysen deuten darauf hin, dass eine professionelle In-Verhältnis-Setzung zur Allgegenwärtigkeit und Normalität von Rassismus als eine gewöhnliche gesellschaftliche, aber nicht weniger gewaltvolle Unterscheidungsweise (auch) am Ort der Lehrer:innenbildung systematisch verhindert wird.

Eine Woche später am 19. März ging es für zwei Doktorandinnen aus dem Projekt zur Tagung ‚Theorie, Methodologie und Empirie in der erziehungswissenschaftlichen Migrationsforschung‘ ausgerichtet von der Kommission Erziehung und Bildung in der Migrationsgesellschaft (KEBiM). Dort stellte Roya Saadati Fashtomi unter dem Vortragstitel Die Rolle des Erzählens in berufsbiographischen Interviews. Materialtheoretische Überlegungen zum Phänomen der Selbst-Narrativierung ihre methodologischen Überlegungen mit Bezug auf ihr Promotionsprojekt zur Diskussion vor. Jaël In ‘t Veld stellte unter dem Vortragstitel Die Erziehungswissenschaft und ihre nationalstaatliche Reproduktion: Eine Kritik des methodologischen Nationalismus der (deutschen) erziehungswissenschaftlichen Sprache, Theorie und Methodologie ihre methodologischen Überlegungen im Rahmen ihres Dissertationsprojektes zur Diskussion vor. Des Weiteren gab es in diesem Rahmen weitere Möglichkeiten mit anderen Nachwuchswissenschaftler:innen in den Austausch zu kommen.

Am 17. April durften wir im GraL-Team mit weiteren Critical Friends aus dem Advisory Board, Prof. Jeff Bale (CAN); Prof. David Gillborn (UK), Prof. Em. Vini Lander (UK), einige Zwischenergebnisse der Teilstudie zur Dokumentenanalyse diskutieren. Unter dem Titel ‘Tensions of translation processes in the research project’ des Advisory Board Meetings ging es uns um eine interpretative und analytische Auseinandersetzung mit dem Phänomen der sog. „Nicht-Deutschen Sprachen“ und ihre Bedeutsamkeit im Kontext der strukturellen Bedingungen der Lehrer:innenbildung aus rassismuskritischer Perspektive. Über diese Auseinandersetzung rund um den Themenbereich der Sprachbildung konnten wir mit unserem internationalen und transkontinentalen Advisory Board über methodologische Elemente von Übersetzungspraktiken sprechen, die sich neben der Übersetzung von einer Sprache in die andere Sprache, auch mit Übersetzungen der Interpretation hin zu Analyse- und Ergebnisdarstellungen befasst haben.

Im Mai haben wir in einem von GraL organisierten, dreitägigen internationalen Working Lab die Möglichkeit gehabt, zusammen mit Prof. Jeff Bale (CAN) im Rahmen von Forschungswerkstätten in die Interpretation und Analyse einiger ausgewählter Interviews zu gehen. Im Anschluss daran führten wir unsere Gespräche zu den Analysen mit Überlegungen ihrer Darstellung in Form eines Impulspapieres fort. Des Weiteren haben wir uns mit dem Themenbereich forschungsethischer Reflexion (im Kontext von Deutschland und Kanada) sowie einem Vortrag von Prof. Bale zu ‚Critical Perspectives on Teacher Education and the Palestine Exception‘ mit internationalen Dimensionen der Lehrer:innenbildung kritisch auseinandergesetzt.

Insbesondere die letzten vier Monate des Jahres waren geprägt durch die intensive Arbeit an unserem ersten Impulspapier. In kollegialen Schreibwerkstätten und diversen Vorstellungen der zugrundeliegenden Ideen, sowohl auf inhaltlicher, als auch konzeptioneller Ebene konnten wir gemeinsam mit Kolleg:innen die Analysen und das Impulspapier weiterentwickeln und Ideen diskutieren. Die gemeinsame Arbeit an der Analyse und dem Papier markieren einen bedeutsamen Meilenstein im Projekt, der anzeigt, dass die Phase der Erhebungen langsam zu Ende geht und sich Fragen danach stellen, welche Aspekte aus den Ergebnissen wir nun besonders fokussieren und in den Mittelpunkt rücken wollen. Es war toll zu sehen, welche prägnanten Aspekte wir aus den vielen Interpretations- und Schreibwerkstätten herauskristallisieren konnten. Die Auseinandersetzung mit Angst als Affekt und dessen Körperlichkeit hat uns intensiv auf theoretischer Ebene beschäftigt. Der gesamte Verdichtungsprozess unserer Ergebnisse in Form eines Impulspapieres, das Pädagog:innen, (angehende) Lehrer:innen, Wissenschaftler:innen sowie bildungspolitisch Tätige gleichermaßen ansprechen soll, war herausfordernd und bereichernd zugleich. Im Kontext unterschiedlicher Präsentationsformate haben wir den Prozess dieser Verdichtungs- und Übersetzungsarbeit wissenschaftlicher Ergebnisse für ein interessiertes, öffentliches Publikum mit weiteren Kolleg:innen diskutieren können, wie z.B. im Rahmen der Bielefeld School of Education (BiSED) Bielefelder Lehrer:innenbildung oder auch bei der Abschlusstagung des Forschungsprojekts „ORAS – Organisation, Rassismus, Schule“ in Berlin an der EHB. Im Frühling 2026 wird das Impulspapier Lehrer:innenbildung als Ort der Angst? Rassismus professionalisiert erscheinen.

Um bei der Übersetzung wissenschaftlicher Ergebnisse für ein breiteres, öffentliches Publikum zu bleiben: Im September haben wir mit unserer Geschwisternachwuchsgruppe ‚Kontinuitäten und Neuformierungen von Institutionellem Rassismus in der Schule‘ (KoNIR) die Pilotfolge unseres gemeinsamen Podcast ‚Lehrer:innenbildung und Schule im Rassismus‘ aufgenommen. Im Dezember folgten weitere Aufnahmen von zwei Podcastfolgen zu den Themen 1) Die ‚Normalität des Rassismus‘ und die (Un)Zugänglichkeit von Schule und Lehrer*innenbildung für rassismuskritische Forschung‘ sowie 2) ‚Rassismus & Angst‘ in Schule & Lehrer:innenbildung. 2026 gehen die Aufnahmen weiter und der Podcast wird mit den ersten Folgen im Frühsommer 2026 On Air gehen. Wir werden Euch über alles weitere informieren.

Die Frage danach, wie rassismuskritische Forschungsreflexion umgesetzt werden kann, konnten wir intensiv während der Late Summer School im Dezember im Rahmen eines von Vanessa Ohm und Jaël In´ t Veld organisierten Workshops mit dem Titel „Forschung zu Rassismus unter Bedingungen von Rassismus: Eine Annäherung an Fragen der Forschungsethik und Forschungsreflexion“ thematisieren und diskutieren. In GraL beschäftigt uns immer wieder die Frage, wie Macht- und Herrschaftsverhältnisse auch unsere eigene Forschung durchdringen und welche forschungsethischen Aspekte in Hinblick auf den Kontakt zum Forschungsfeld und den Interviewpartner:innen, aber auch mit Blick auf uns als Forscher:innen zu berücksichtigen sind. Darin wurde auch zum Thema, wie der Schutz von Forscher:Innen im Forschungsfeld zu Rassismus mehr zum Gegenstand von Überlegungen werden kann. Dabei haben wir uns insbesondere mit kollektiven Reflexionspraktiken als strukturellem Teil von Forschungsprozessen beschäftigt.

Mit einem Gefühl von Dankbarkeit für die Zusammenarbeit und das gemeinsame, stetige Weiterwachsen und -lernen im Team sowie den Austausch mit Kolleg:innen und Partner:innen lassen wir 2025 in unserem Erinnerungsarchiv verweilen. Wir wenden uns mit frischer Tatkraft dem Jahr 2026 und all den für uns darin liegenden Aufgaben und Verantwortungsbereichen.

GraL 2025: Jahresrückblick | Nachwuchsgruppe "Gelingensbedingungen rassismussensibler Lehrer:innenbildung" (GraL)